| Varietät und Schrift nicht geklärt | Kurmandschi wird im lateinischen Hawar-Alphabet geschrieben, Sorani in einer an das Persische angepassten arabischen Schrift. Wer die eine Fassung liest, entziffert die andere in der Regel nicht – die Übersetzung ist dann formal fertig und praktisch unbrauchbar. | Vor Projektbeginn klären wir Varietät, Schrift und Zielland und ordnen einen Muttersprachler genau dieser Varietät zu. |
| Die Urkunde ist gar nicht auf Kurdisch ausgestellt | Amtssprache eines Staates ist Kurdisch nur im Irak. Papiere aus der Türkei sind türkisch abgefasst, aus Syrien arabisch, aus dem Iran persisch. Wird der Auftrag trotzdem als „Kurdisch“ eingesteuert, sitzt am Ende ein Übersetzer davor, der diese Ausgangssprache nicht beherrscht. | Wir bestimmen zuerst die tatsächliche Ausgangssprache jeder einzelnen Seite und setzen den dafür qualifizierten Übersetzer an – auch wenn das nicht Kurdisch ist. |
| Türkifizierte Namensschreibung ungeprüft übernommen | Dem türkischen Alphabet fehlen q, w und x. Aus Newroz wurde amtlich Nevruz, aus Şêrko Serko. Steht im Schweizer Ausweis die kurdische Form und in der Urkunde die türkische, kann das die Identitätszuordnung erschweren und zu Rückfragen führen. | Wir geben die Urkunde wieder, wie sie ist, und weisen die abweichende Form aus Ihrem Pass im Übersetzervermerk aus – statt eine der beiden stillschweigend zu ersetzen. |
| Hawar-Diakritika fallen weg | Das Hawar-Alphabet unterscheidet ç, ê, î, ş, û von c, e, i, s, u. Fehlen die Zeichen, entstehen andere Wörter und andere Namen; bei Eigennamen genügt ein verlorenes Häkchen, damit die Schreibweise von der im Pass abweicht. | Wir setzen die Hawar-Buchstaben vollständig und prüfen jeden Eigennamen gegen Pass und Ausgangsdokument. |
| Sorani-Zeichen und Leserichtung zerstört | Sorani nutzt eigene Buchstaben (ۆ ێ ڕ ڵ گ چ پ ژ), die viele Standardschriften nicht enthalten. Kommen lateinische Einschübe oder Ziffernfolgen dazu, kippt die Leserichtung – Dossier-Nummern und Datumsangaben stehen dann verdreht auf dem Blatt. | Wir setzen Sorani mit den korrekten Unicode-Zeichen, geprüften Font-Fallbacks und Bidi-Kontrolle; Zahlen und lateinische Einschübe werden gesondert abgenommen. |
| Ortsnamen kurdisch statt wie in der Urkunde | Dieselbe Stadt heisst amtlich Diyarbakır und kurdisch Amed, amtlich Erbil und kurdisch Hewlêr. Wer in der Übersetzung den kurdischen Namen einsetzt, nennt einen Geburtsort, der in Pass, Verfügung und Register nirgends auftaucht. | Ortsangaben stehen in der Übersetzung so, wie sie in der Urkunde stehen; die kurdische Form ergänzen wir nur erläuternd in Klammern. |
| Zazaki unter „Kurdisch“ mitbestellt | Zazaki wird sprachwissenschaftlich mehrheitlich nicht zum Kurdischen gerechnet, sondern als eigene Gruppe geführt. Ein Kurmandschi-Übersetzer liefert dafür kein brauchbares Ergebnis – auch dann nicht, wenn die Sprecher sich selbst als Kurden verstehen. | Wir behandeln Zazaki als eigene Sprache und ordnen einen Zazaki-Muttersprachler zu, statt den Auftrag unter Kurmandschi laufen zu lassen. |
| Auf Kurdisch übersetzt, obwohl der Adressat Kurdisch nicht liest | Kurdisch ist in der Türkei keine Unterrichtssprache; wer dort zur Schule gegangen ist, hat Lesen und Schreiben auf Türkisch gelernt. Viele Kurdinnen und Kurden sprechen Kurmandschi fliessend, lesen aber sicherer Türkisch – ein Merkblatt auf Kurmandschi erreicht sie dann schlechter als eines auf Türkisch. | Bei Beratungs-, Aufklärungs- und Verfügungstexten fragen wir nach Lesesprache und Schulzeit, bevor wir die Zielsprache festlegen; im Zweifel liefern wir zweisprachig. |