| Varietät/Schrift nicht geklärt | Kurmandschi (lateinisch) und Sorani (arabische Schrift) sind gegenseitig kaum lesbar; wird die falsche gewählt, kann der Adressat das Dokument nicht verwenden. | Wir klären vor Projektbeginn Zieldialekt (Kurmandschi/Sorani/Zazaki), Schrift und Zielland und ordnen einen passenden Muttersprachler zu. |
| Zazaki als „Kurdisch-Dialekt“ behandelt | Zazaki (Zaza-Gorani) wird sprachwissenschaftlich mehrheitlich als eigene Gruppe geführt; wer es wie Kurmandschi behandelt, setzt den falschen Übersetzer ein und produziert Unverständliches. | Wir erkennen Zazaki und setzen einen Zazaki-Muttersprachler ein, statt es unter „Kurdisch“ zu subsumieren. |
| Diakritika im Kurmandschi verloren (ç, ê, î, ş, û) | Das lateinische Kurmandschi-Alphabet (Hawar) nutzt ç, ê, î, ş, û; fallen die Diakritika weg (ş→s, î→i), entstehen andere Wörter und Namen. Bei Eigennamen genügt ein verlorenes Häkchen, damit die Schreibweise vom Reisepass abweicht. | Wir setzen die Hawar-Buchstaben vollständig und prüfen jeden Eigennamen gegen Pass und Ausgangsdokument. |
| Sorani-Sonderbuchstaben & RTL zerstört | Sorani nutzt an das Arabische angepasste Zeichen (ۆ ێ ڕ ڵ گ چ پ ژ), die Standard-Fonts nicht kennen; falscher Font oder Bidi-Fehler zerlegt den rechtsläufigen Satz. Geschäftszahlen und Datumsangaben stehen dann verdreht auf dem Blatt. | Wir setzen Sorani mit korrekten Unicode-Zeichen, geprüften Font-Fallbacks und Bidi-Kontrolle; Zahlen und lateinische Einschübe werden gesondert abgenommen. |
| Türkifizierte Namen (q, w, x fehlen im Türkischen) | Türkische Urkunden schreiben kurdische Namen im türkischen Alphabet, dem q, w und x fehlen (Newroz → Nevruz, Şêrko → Serko); in amtlichen Namen sind sie in der Türkei erst seit 2013 zugelassen. Steht im Pass die kurdische Form und in der Urkunde die türkische, kann das die Identitätszuordnung erschweren. | Wir geben die Urkunde wieder, wie sie ist, gleichen sie mit Pass und Vorurkunden ab und weisen die abweichende Form im Übersetzervermerk aus. |
| Ortsnamen kurdisch statt wie in der Urkunde | Dieselbe Stadt heißt amtlich Diyarbakır und kurdisch Amed, amtlich Erbil und kurdisch Hewlêr. Wer in der Übersetzung den kurdischen Namen einsetzt, nennt einen Geburtsort, der in Pass, Bescheid und Melderegister nirgends auftaucht. | Ortsangaben stehen in der Übersetzung so, wie sie in der Urkunde stehen; die kurdische Form ergänzen wir nur erläuternd in Klammern. |
| Ausgangssprache der „kurdischen“ Urkunde verkannt | Eine Geburtsurkunde „aus einer kurdischen Region“ ist amtlich oft türkisch, arabisch oder persisch abgefasst – nicht kurdisch. Wer die Ausgangssprache verwechselt, setzt einen Übersetzer an, der für diese Richtung nicht zeichnen darf. | Wir bestimmen zuerst die tatsächliche Ausgangssprache jeder einzelnen Seite und setzen den dafür zertifizierten Übersetzer an – auch wenn das nicht Kurdisch ist. |
| Auf Kurdisch übersetzt, obwohl der Adressat Kurdisch nicht liest | Kurdisch ist in der Türkei keine Unterrichtssprache; wer dort zur Schule gegangen ist, hat Lesen und Schreiben auf Türkisch gelernt. Viele Kurdinnen und Kurden sprechen Kurmandschi fließend, lesen aber sicherer Türkisch – ein Merkblatt auf Kurmandschi erreicht sie dann schlechter als eines auf Türkisch. | Bei Beratungs-, Aufklärungs- und Bescheidtexten fragen wir nach Lesesprache und Schulzeit, bevor wir die Zielsprache festlegen; im Zweifel liefern wir zweisprachig. |